Schneeweiße Weihnacht, Tag 24

Zum großen Finale kommen einige alte Bekannte zusammen

»Auf Vicky, die es wieder einmal geschafft hat, sich in Gefahr zu begeben und zu überleben.« Josephine hob lachend ihr Glas. Auch Tom und Jarne prosteten Victoria zu. Drei Tage waren seit dem aufregenden Abend im Wald vergangen, der mit einem erfolglosen Fluchtversuch und der Verhaftung der drei Männer geendet hatte.
Victoria hatte sich mit ihren Freunden im Guitarra y más verabredet, wo es nicht nur gutes Essen, sondern später am Abend auch Livemusik und Cocktails gab. Der Duft nach köstlichen Speisen vermischte sich mit dem der geschmückten Tannengirlanden, die überall hingen.
Sie stießen alle miteinander an, dann wandte Victoria sich an Tom. »Nun erzähl mal.«
Da Josephine ebenfalls Staatsanwältin war, und Jarne und Victoria ohnehin die meisten Fakten bereits kannten, nahm es Tom Hertzmeier mit etwaigen Verschwiegenheitspflichten nicht allzu genau.
»Stefan Bern zeigt sich recht kooperativ, in dem Bemühen, die Schuld auf seine Komplizen abzuwälzen.«, begann er. »Es war, wie du vermutet hast. Manfred Wilhelm hat in jener Nacht nicht nur den Weihnachtsbaum gestohlen, sondern auch entdeckt, was in diesem Schuppen wirklich gelagert wurde. Die Baumpflegemittel und der Dünger boten eine perfekte Tarnung für die illegalen Substanzen. Wenn die Eimer mit den Düngemitteln über die Grenze kamen, waren sie immer nur im oberen Drittel mit Dünger in Pulverform befüllt, darunter befanden sich Beutel voller Drogen, meist Kokain. Manfred Wilhelm hat einen dieser Beutel mitgehen lassen.«
»Wollte wohl nicht nur einen Weihnachtsbaum, sondern auch noch den Schnee dazu.« Josephine gluckste.
Victoria grinste. »Vermutlich hat er deshalb sofort den Diebstahl des Baumes gestanden, als die Polizisten ihn in der Nacht geschnappt haben«, fuhr sie dann wieder sachlich fort. »Er wollte eine weitere Durchsuchung vermeiden. Und darum war es ihm so wichtig, dass Bern nicht erfuhr, wer er war.«
»Richtig. Und als er merkte, dass seine Idee, sich hinter dir zu verstecken, nicht aufging, war ihm wohl klar, dass Bern den Diebstahl des Kokses bemerkt hatte. Und er wusste wahrscheinlich ebenfalls, dass Bern als Geschädigter des Weihnachtsbaumdiebstahls über den Weg der Akteneinsicht seine Identität erfahren würde. Also hat er sich bei Bern gemeldet und versucht, die Sache anders zu regeln. Bern oder seine Mittäter – in diesem Punkt schieben sich die drei die Verantwortung gegenseitig zu – haben aber nicht verhandelt, sondern ihn beseitigt, nachdem sie nach einer für Wilhelm äußerst schmerzhaften Befragung davon ausgehen konnten, dass es keine Mitwisser gab. Umso erstaunter waren sie dann, als du dort aufgetaucht bist.«
»Dabei wollte ich nur verhindern, dass Bern so kurz vor Weihnachten menschlich enttäuscht wird, weil ich doch annahm, dass er Manfred Wilhelm eine zweite Chance geben wollte und aus diesem Grund keinen Strafantrag gestellt hat.«
»Dann hat dich also deine vorweihnachtliche Stimmung zum zweiten Mal dorthin geführt.« Josephine schmunzelte. »Und so hast du eine Drogenbande zur Strecke gebracht und einen Mord aufgeklärt.«
»Wofür Weihnachten alles gut ist.« Jarne lachte.
Victoria hob ihr Glas. »In diesem Sinne: Ein frohes Fest!«

°°Ende°°

Liebe Leser*innen,

ich hoffe, euch hat die kleine Weihnachtsgeschichte Vergnügen bereitet. Falls ihr mehr über Victoria und Jarne lesen möchtet, lade ich euch ein, in die Krimis „Juniregen“ (ISBN 9783743176782) und „Lavagrab“ (ISBN 9783743176782) sowie in den Kurzkrimi „Alte Wunden“ hineinzuschmökern.

Mehr Informationen und Leseproben findet ihr unter http://www.rana-wenzel.de

Ich bedanke mich für euer Interesse und wünsche euch und euren Lieben wundervolle Weihnachtstage!