Offline [Rezension]

Thriller von Arno Strobel

Steckbrief

  • Verlag: FISCHER Taschenbuch
  • Erscheinungstermin: 29.07.2020
  • Umfang TB: 384 Seiten
  • ISBN: 978-3-596-70558-0

Darum geht es

Fünf Tage digital detox in der Abgeschiedenheit eines alten Hotels auf dem Watzmann. Dieser Einladung folgen Jenny und drei ihrer Arbeitskollegen, hinzu kommen noch vier weitere Gäste sowie drei Mitarbeiter des Reiseveranstalters.
Kurz vor einem schweren Schneesturm erreicht die Gruppe ihr leerstehendes Hotel, in dem außer zwei Hausmeister keine weiteren Angestellten auf sie warten.
Bereits das Hotel macht auf Jenny einen wenig einladenden Eindruck. Der renovierte Teilbereich ist zwar hübsch, doch alles hat den Charme einer verlassenen Großbaustelle.
In der ersten Nacht verschwindet einer der Mitreisenden spurlos. Da meterhoher Schnee das Verlassen des Hotels unmöglich macht, muss er sich noch im Hotel befinden. Am Ende einer Suchaktion wird er schließlich schwer verletzt gefunden.
Angst geht unter den Gästen um, denn der Täter muss einer aus der Gruppe sein.
Man beginnt, sich gegenseitig zu belauern. Dunkle Geheimnisse kommen ans Licht, die Aggression nimmt zu. Doch alles Misstrauen und alle Schutzmaßnahmen helfen nicht. Bald gibt es ein weiteres Opfer und die Gruppe spaltet sich in mehrere Lager.

Meine Meinung

Das war mal wieder ein echter Pageturner.
Arno Strobel gelingt es, von Anfang an eine spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen. Die selbstgewählte digitale Isolation paart sich mit der durch den Schneesturm erzwungenen Abgeschiedenheit. Das Hotel wird zum Gefängnis. Das halbfertige Gebäude trägt ebenfalls zum Unwohlsein bei und auch die teils seltsam agierenden Mitreisenden schaffen eine unbehagliche Gesamtstimmung.
Durch die Geschehnisse misstraut bald jeder jedem. Die psychische Ausnahmesituation, in der nach und nach jede Vernunft vergessen wird, ist greifbar. So kommt es, dass die Gefahr bald nicht mehr nur vom ursprünglichen Täter ausgeht, sondern jeder zum Einzelkämpfer wird und man sich auch vor übertriebenen Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder hüten muss.

Einzig die Auflösung erschien mir ein wenig zu konstruiert. Ich werde natürlich nichts verraten, weshalb ich diese Aussage nicht begründen kann, aber mir hätte ein anderer Hintergrund besser gefallen.
Diese leichte Kritik schmälert das Lesevergnügen jedoch keineswegs. Ich habe lange kein Buch mehr derartig inhaliert.

Fazit

Der Roman hat alles, was ein guter Thriller haben muss. Spannung entsteht bereits durch das Setting. Dieses klaustrophobe Gefühl in einer wenig einladenden Kulisse ohne Chance auf Entkommen oder Hilfe von außen dem Wirken eines offenbar völlig Gestörten hilflos ausgeliefert zu sein, wird auf nervenzerreißende Weise transportiert.
Für Fans von Nervenkitzel eine klare Leseempfehlung.