Dein finsteres Herz von Tony Parsons

Steckbrief

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Veröffentlichung: 1. Auflage 2014, 2. Auflage 2016
  • ISBN: 978-3404174003
  • Originaltitel: The Murder Bag
  • Übersetzung: Dietmar Schmidt

Zitat

Diese Jungen wachsen nicht auf, dachte ich. Sie eilen zu ihren Gräbern. (Seite 104/309 epub-Version)

Darum geht es

DC Max Wolfe gehört zu einer Mordkommission der Londoner Polizei, die sich um eine Reihe von Todesfällen kümmert. Auf den ersten Blick weisen die Fälle keine Gemeinsamkeiten auf, abgesehen von derselben präzisen Art, wie die Männer getötet wurden, und dass sie auf einem Gruppenfoto zusammen zu sehen sind. Bald stellen sich weitere Zusammenhänge heraus: Alle Opfer entstammen privilegierten Familien und waren als Kinder auf demselben Internat.

Wenn der alleinerziehende Vater Max Wolfe nicht gerade von Töchterchen Scout oder Hund Stan auf Trab gehalten wird, jagt er dem Mörder hinterher und kommt ihm dabei näher, als im lieb ist.

Meine Meinung

Ich bin durch einen Wühltisch mit Mängelexemplaren auf DC Max Wolfe aufmerksam geworden und froh darüber. Max Wolfe hat das Potential, zu einem meiner Lieblingsermittler zu werden.

Er hat menschliche Schwächen, ohne derart extrem kaputt zu sein, wie es einigen – insbesondere in Skandinavien beheimateten – Ermittlern zu eigen ist.

Die Geschichte hat mich durch einen heftigen Prolog sofort gefesselt. Anfangs hatte ich Sorge, der Roman könne zu grausam sein, da ich zwar gerne Krimis und Thriller lese, jedoch keine detaillierte Darstellung von Brutalität mag.

Glücklicherweise war der Prolog die ausführlichste Schilderung, weitere Beschreibungen halten sich im krimitypischen Rahmen, mit anderen Worten wird zwar erklärt, wie das Opfer zu Tode kam, ohne jedoch zu sehr in die Tiefe zu gehen.

Die Spannungskurve ist angenehm, immer wieder kommt es zu unvorhergesehenen Entwicklungen. Nur selten empfand ich einige Stellen als langatmig, weil sie zwar nett waren, jedoch nicht zur Geschichte gehörten, wie etwa eine verunglückte Gassirunde mit der Hundesitterin, die erzählerisch so gar keinen Sinn macht.

An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen. Anfangs empfand ich den Ton als zu salopp und direkt. Die Frage keimte in mir, ob es sogar ein Ausdruck von Unbeholfenheit des Autors oder des Übersetzers war. Bis ich begriff, dass der Denkfehler bei mir lag: Es ist die Stimme des Ich-Erzählers Max Wolfe, die diesen etwas hemdsärmeligen Eindruck erweckt.

Stellen wie das einleitende Zitat belegen, dass Tony Parsons sehr wohl mit Worten umzugehen weiß. Zudem verfügt er über Wortwitz, wie hier:

[…] stammte das Foto aus den Achtzigern. Ihr [gemeint sind die abgebildeten Jugendlichen, Anm. d. Verf.] Haarschnitt war aus einem anderen Jahrzehnt und ihre Uniformen aus einem anderen Jahrhundert. Sie wirkten wie Duran Duran bei Waterloo. (s. 23/309 epub-Version)

Die Lösung des Falls ist stimmig, enthält aber für meinen Geschmack mindestens einen Schnörkel zu viel. Hier hatte ich den Eindruck, der Autor wollte um jeden Preis vermeiden, eine allzu gewöhnliche Auflösung zu bieten. Um nicht zu spoilern, kann ich das an dieser Stelle nicht näher begründen, doch hätte mir der geradlinigere Weg gereicht.

Fazit

Insgesamt hat Max Wolfes erster Fall bei mir einen guten Eindruck hinterlassen.

Ein sympathischer Ermittler, etwas eigensinnig, mit Ecken und Kanten, aber mit Herz und glücklicherweise nicht so kaputt, wie Krimihelden gerne gezeichnet werden.

Die Geschichte bewegt sich irgendwo zwischen Krimi und Thriller, angenehm spannend, ohne allzu sehr an den Nerven zu zerren.